Terra Mater WILD

Der Nil ist ein außergewöhnlicher Fluss, hat nicht eine, sondern tausende Quellen. Die erste Folge des Dreiteilers, der als Koproduktion von Terra Mater Factual Studios, National Geographic, France Télévisions und WDR realisiert und von der Wiener Cosmos Factory Filmproduktion hergestellt wurde, führt ins Quellgebiet im afrikanischen Rift Valley, einer tektonischen Verwerfung die im Laufe von Jahrmillionen ganze Gebirge auftürmte. Das berühmteste heißt Ruwenzori, schon die alten Griechen wussten davon und nannten es „die Berge des Mondes“.
Der höchste Gipfel liegt 5000 Meter über dem Meer, das Schmelzwasser des darunterliegenden Gletschers fließt auf abenteuerlichen Umwegen in den Nil. Unter dem wolkenverhangenen Gletscher liegt ein Märchenwald, bewachsen mit Riesenlobelien, gewaltigen Asterngewächsen, Moosen und Gräsern. In dieser feucht-kalten Welt lebt eine schillernde Persönlichkeit: der betörend schöne Lobelien-Nektarvogel. Wie der Name schon sagt, lebt er vom Nektar der Lobelie, der einzigen Blütenpflanze weit und breit. Die Männchen harren hier im Hochgebirge aus und verteidigen ihre Pflanzen, die Weibchen kommen nur zur Brutzeit aus wärmeren Gefilden. Eine Etage tiefer, auf etwa 3000 Meter Höhe stehen Wälder mit zehn Meter hohen, flechtenbehangenen Erikabäumen, dazwischen rinnt, plätschert und fließt das Wasser des Nil. Von hier bis zur noch tiefer gelegenen Regenwaldzone des Ruwenzori liegt ein Paradies für Reptilien, insbesondere für bergerprobte Chamäleons, die hier nach Insekten jagen. Den Schönheitswettbewerb unter all den Waldbewohnern gewinnt jedoch ein Vogel: der seltene Ruwenzori Turaco, dessen Gefieder in delikaten Farben leuchtet: purpurrot, eisblau und smaragdgrün.
Unter den vielen Quellen des Nil haben Geographen erst vor wenigen Jahren die einzig wahre, von der Mündung am weitesten entfernte entdeckt: Sie liegt in Ruanda, im Nyungwe Nationalpark. Hier leben dreizehn Primatenarten, die auffälligsten unter ihnen sind die Angola Stummelaffen. Ihr Name wird ihnen allerdings nicht gerecht: sie sind schlank, elegant, schwarz-weiß gezeichnet und in den Baumkronen wahre Akrobaten. Im Nyungwe finden sich bis zu vierhundert Individuen in einer Gruppe. Einige Millionen Tiere versammeln sich hingegen in den Kolonien der Wanderameisen. Die kleinen Jäger sind die wahren Herrscher des Quellgebietes: wenn sie am Waldboden auf Raubzug gehen, wird alles vernichtet, was nicht davonlaufen oder –fliegen kann.
Vom Nyungwe in Ruanda fließt das Quellwasser über den Kagera Fluss in den Viktoriasee, die Mutter aller Nilquellen. Jahrhundertelang haben die Europäer diesen See gesucht, eine Wasserfläche so groß wie die Republik Irland. Heute ist er berühmt für seine Naturschätze und berüchtigt für seine Umweltprobleme. Hunderte Arten von Buntbarschen, lebende Beweise für Darwins Evolutionstheorie wurden von eingesetzten Nilbarschen fast zur Gänze ausgerottet. Heute ist der Nilbarsch durch Überfischung selbst bedroht, die kleinen Buntbarsche haben eine zweite Chance.