Terra Mater WILD

Ein spanischer Kaiseradler zieht seine Kreise über die von der Hitze versengte „Dehesa“. Dehesa, so nennt man die beweideten Eichenhaine, die sich über weite Teile im Südwesten Spaniens und Portugal erstrecken und die zu den artenreichsten Gebieten der Erde zählen.
Der Kaiseradler ist einer der seltensten Adler der Welt und auf der Iberischen Halbinsel endemisch. Jetzt muss er jagen, um für seine Küken zu sorgen. Kaninchen sind zu dieser Jahreszeit rar, und so muss er auf andere Beute wie Waldtauben zurückgreifen.
Nicht weit entfernt und zur gleichen Jahreszeit streift ein iberischer Luchs mit seinen Jungen durch den Wald. Die Jungen sind bereits so groß, dass sie ihre Mutter bei der Erkundung neuer Gebiete begleiten. Als sie auf eine zweite Luchsfamilie treffen, entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen ihnen.
Die Landschaft der Dehesa ist facettenreich und bestimmt durch den Menschen, den wahren „Architekten“ dieser Region: Er prägt das Land und das Ökosystem durch die sogenannte Transhumanz, die Wanderweidewirtschaft. Der Viehtrieb mit seinen langen kräftezehrenden Wanderungen zu frischen Weidegründen fordert seine Opfer. Nicht alle Schafe und Ziegen werden ihr Ziel erreichen und erliegen den Strapazen, was sich Füchse und Geier zunutze machen.
Wasser ist das wesentliche Element in der Dehesa. Es garantiert das Überleben der zahlreichen Spezies und bildet zugleich einen dramatischen Schauplatz für den Kreislauf des Lebens. Hier jagen Bussarde nach Fröschen. Frösche ihrerseits vollführen spektakuläre und in ultra-Zeitlupe gefilmte Angriffe auf Libellen. Und Geier nehmen ein Bad nach ihren Aas-Gelagen.
Wenn die Hitze in der Dehesa nachlässt ist, erscheinen große Pflanzenfresser wie Hirsche und fordern sich gegenseitig zum Duell. The winner takes it all, und so geht es nun darum mit kräftigen Brunftschreien und heftigen Schlachten die Weibchen zu beeindrucken. Weniger laut, dafür umso brisanter verläuft die Paarung bei den Gottesanbeterinnen. Nach dem Akt verschlingt das Weibchen ihren Gatten in einem Akt des Kannibalismus.
Der Herbst deckt den Tisch der Dehesa reich, die ausgedehnten Eichenhaine ziehen Horden von Kranichen aus Nordeuropa an, die sich auf den Feldern niederlassen und an den Eicheln laben. Auch der Mensch nutzt das Buffet der Natur und bringt die iberischen Schweine hierher, die sich nun an den Eicheln sattfressen können.
Der Regen und das kalte Wetter überziehen die Wälder und Weiden mit sattem Grün. Die kürzeren Nächte machen die Bühne frei für neue Charaktere. Jetzt werden Raubtiere wie Uhus oder Ginsterkatzen aktiv, die auf die Jagd von Nagetieren spezialisiert sind.